Prof. Dr. med. Matthias Elzer

Praxis für Psychoanalyse und Psychotherapie in Hofheim am Taunus

In eigener Sache: Offline-Praxis

In eigener Sache: Offline-Praxis

Seit Jan. 2019 ist meine Praxis „offline“ d.h., es gibt keinen Internetanschluss, der Praxiscomputer ist separat ohne Internetverbindung und außerhalb der Praxiszeiten nicht in der Praxis vorhanden. Auf dem Praxis-Notebook befinden sich die Stammdaten der Patienten einschl. der Diagnosen und das Programm für die quartalsmäßige KV-Abrechnung. Weitere Inhalte zu meinen Patienten und ihrer Therapie sowie die Anträge zur Kostenübernahme an die Krankenkassen im Gutachterverfahren sind nicht auf dem PC, sondern separat auf einer Festplatte gespeichert. Behandlungsnotizen werden handschriftlich auf Papier geführt und unter einer Chiffre archiviert.


Diese Maßnahme wurde getroffen, weil seit 2019 der gesetzliche Zwang besteht, dass sich ärztliche und psychotherapeutische Praxen mit KV-Zulassung an der „Telematik-Infrastruktur“ (TI) beteiligen müssen. Durch die TI soll die Kommunikation unter den Arztpraxen verbessert werden. Es wird über alle Patienten eine elektronische Krankenakte mit Befunden jeglicher Fachrichtung, Arztbriefen etc. angelegt und auf einem angeblich gesicherten Zentralrechner gespeichert. Diese ePatientenakte wird für alle Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen angelegt, das sind 90 % der Bevölkerung. Privatpatienten sind davon nicht betroffen.


Bei aller Sinnhaftigkeit einer digitalen Datenerfassung und Kommunikation besteht die große Gefahr, dass Patientendaten gehackt und in falsche Hände gelangen. So geschah es bereits in den USA, in Dänemark, Norwegen und Deutschland (mit gynäkologischen Untersuchungsbefunden). 2018 seien in Finnland zentral gespeicherte digitale Akten von ca. 40.000 Psychotherapiepatienten gestohlen und 2019/20 damit sowohl Behörden wie auch Patienten erpresst worden. Ab Oktober 2020 wurden täglich hunderte von Krankenakten ins Internet gestellt (s. FAZ vom 28.10.2020).


Ich unterliege der ärztlichen Schweigepflicht – gerade im Bereich der Psychotherapie ist dies besonders wichtig. Die Wahrung des Arztgeheimnisses ist für mich ein höheres Rechtsgut als der gesetzliche Zwang, über meine Patienten eine elektronische Patientenakte zu füttern und Daten aus der Hand zu geben. Trotz aller Versicherungen der politisch Verantwortlichen ist nicht garantiert, dass die Datensicherheit gewährleistet ist. Solange ich ärztlich tätig bin, bin ich für die Sicherheit meiner Patientendaten persönlich verantwortlich. Nach Beendigung einer Behandlung und nach Schließung der Praxistätigkeit müssen die Daten 10 Jahre lang sicher aufbewahrt und dann sicher vernichtet werden. Mit der TI und der ePatientenakte haben andere Zugriff auf diese Daten und das auf eine ungewisse Zukunft. Es gibt keine absolute IT-Sicherheit! Persönliche Daten zur Gesundheit und Krankheit der Menschen sind unter ökonomischen und auch kriminellen Aspekten ein hochlukratives Geschäft.


Bisher hat die TI im deutschen Gesundheitswesen mehrere Milliarden Euro verschlungen; die IT und die zigtausend notwendigen Endgeräte in den Praxen sind ein riesiger Markt. Statt einer zentralen Digitalisierung der Patientenakte wäre es simpel und extrem preiswert gewesen, dem Patienten seine Krankenakte physisch durch einen Datenträger (z.B. Stick) eigenverantwortlich in die Hand zu geben, genauso wie er seine Laborwerte oder Arztbriefe in Papierform zur weiteren Verwendung bisher erhielt. Durch das Argument der Digitalisierung und Zentralisierung findet meines Erachtens eine Art Enteignung des Patienten und seiner Gesundheitsdaten statt.


Der Gesetzgeber und die KVen werden versuchen, Ärzte und Psychologen, die sich dieser Digitalisierung widersetzen, mit Sanktionen z.B. Gehaltskürzungen gefügig zu machen.

Prof. Dr. med. Matthias Elzer